Was ist die Gräberpiste?

Im Reiseführer "Algerische Sahara", erschienen im DuMont-Verlag im Jahr 1990, gaben die Autoren Ursula und Wolfgang Eckert der Pistenstrecke von Amguid nach Illizi den Namen "Gräberpiste". Dieser Ausdruck wird nur in deutschsprachigen Führern verwendet. 

Der Name ist darauf zurückzuführen, dass es in den Tälern, durch welche diese Strecke führt, sehr viele vorislamische Schlüsselgräber sowie Ruinen von Moscheen und Friedhöfen gibt, ein Zeichen dafür, dass diese Region vor langer Zeit recht dicht besiedelt war. 

In heute erhältlichen deutschsprachigen Reiseführern werden auch andere Pistenstrecken, die von der ursprünglichen "Gräberpiste" abzweigen (z.B. von Ain el Hadjadj am Kranfoussa-Massiv vorbei nach Bordj Omar Driss) als "Gräberpiste" bezeichnet. Der folgende Kartenausschnitt zeigt neben dem besagten ursprünglichen Streckenverlauf auch diese "neue" Route sowie zwei weitere Pisten, die die bisher erwähnten miteinander verbinden oder davon abzweigen.

blau = Verlauf der ursprünglichen "Gräberpiste"; Amguid - Illizi

grün = heute ebenfalls unter dem Begriff "Gräberpiste" bekannt; Ain el Hadjadj - Bordj Omar Driss 

pink = stark befahrene Piste (erkennbar durch zahlreiche Spuren), jedoch von Touristen kaum benutzt; direkte Nord-Süd-Verbindung von Bordj Omar Driss zur Gräberpiste

lila = eine Route von der Gräberpiste zum weiter südlich gelegenen Dünengebiet Erg Tihodaine.  

Die zum Teil markierte Piste, die noch aus der Kolonialzeit stammt,  liegt eingebettet zwischen den riesigen Sanddünen des Erg Issouane und dem Tassili-Gebirge. Durch diese landschaftlichen Gegebenheiten ist die Navigation auf dieser Route nicht schwierig. Ausserdem ist die Piste über weite Strecken stark ausgefahren, so dass man kaum vom Weg abkommen kann.

Neben holperigen Abschnitten durch steinige Wüstengebiete sind auf der Gräberpiste Weichsandstellen sowie kleinere Sanddünen zu überqueren. Festungen und Schützengräben zeugen von erbitterten Schlachten, die während der Kolonialzeit zwischen den Franzosen und Senoussi-Kriegern stattfanden. 

Nach Regenfällen ist die Piste streckenweise schwierig zu befahren, da sich gefährliche Schwemmtonebenen bilden.

Sogar am Ende der Trockenzeit gibt es in den Tälern, durch welche die Piste führt, noch Gras; aus diesem Grund trifft man hier üblicherweise viele Nomaden. Da es in diesem Jahr jedoch in der gesamten Region starke Regenfälle gab, verteilen sich die Nomaden im Moment über ein grösseres Gebiet, so dass man ihnen entlang der Gräberpiste seltener begegnet als in den Vorjahren.

Seit dem Wiederaufleben des algerischen Sahara-Tourismus in den vergangenen drei Jahren gab es in der Szene der Saharafreunde diverse beeindruckende Diavorträge sowie Bildberichte im Internet über die Gräberpiste. So ist zum Beispiel der Erg Tiffernine mit der höchsten Sanddüne der Welt ein faszinierender Anziehungspunkt. Durch die Reiseberichte wurde bei vielen das Interesse an dieser Piste neu geweckt, und so wurde sie in jüngster Zeit wieder recht stark von Saharareisenden frequentiert. 

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