Mama, guck - Macknele!

Teil 3 - Gambia & Mali

Einreise nach Gambia. Ein Dutzend Geldwechsler im Teenageralter belagert unser Auto. Noch vor drei Wochen haben Szenen wie diese unsere Kleine in Angst und Schrecken versetzt. Inzwischen nimmt sie's mit belustigter Verwunderung.
Wellblechbudendorf Barra. Warten ist angesagt, da von drei Fährbooten über den Gambia River zwei defekt sind. 21.00 Uhr: Die letzte Fähre fährt ohne uns. Uff, kein eben heimeliger Ort zum Übernachten! Aber dank Dachzelt ist auch das nicht so dramatisch...
...und am nächsten Tag bringt uns die ehemalige Rheinfähre nach Banjul. 
Sukuta Beach. Wir richten uns vorsorglich auf überfüllte Strände ein, denn Jahresende ist hier Hochsaison für  Pauschaltouristen. Die Überraschung ist gross - der gigantische Strand gehört uns ganz allein!
Dasselbe in den Ortschaften. Von Massentourismus keine Spur. Auch im belebten Hafen von Bakau (Foto) sind wir die einzigen Touristen, die das bunte Treiben beobachten.

Wir verabschieden uns vom Atlantik und nehmen Kurs in Richtung Mali. Einheimischem Rat folgend, wählen wir die Piste am Nordufer des Gambia River. Wir möchten nicht unbedingt erneut vor der Fähre nächtigen. Deshalb stehen wir schon am frühen Vormittag in der Warteschlange vor der Fähre in Banjul. 
Wie an allen Orten wo viele Menschen sind, wimmelt es auch hier von Verkäufern. Eine Frau, die Kinderkleider verkaufen will, sieht Lisanne und hofft auf ein Geschäft mit uns. Da sie weder englisch noch französisch spricht, beginnt sie mit Gesten und Mimik ein...

..."Gespräch". Auf meine Brust deutend, will sie wissen, ob ich Lisanne noch stille. Ebenfalls unter Einsatz aller mir zur Verfügung stehender Zeichensprache antworte ich, dass ich nach einem Jahr mit Stillen aufgehört habe, als die Kleine die ersten Zähne hatte. Sie weiss wovon ich rede... laut lachend schiebt sie den Stoff ihres bunten Gewandes zur Seite, und ehe ich mich versehe, hängt ihre malträtierte Brust ins Autofenster! 

 
Heute sind zwei der Fähren einsatzbereit, und so kommen wir bereits nach zwei Stunden am Nordufer an. Die Fahrt durch das gambische Buschland  bietet Abwechslung: zuerst 50 km brandneue Teerstrasse, danach zum Teil schaurige Piste.  
Schon am frühen Nachmittag suchen wir einen Platz zum Spielen, Essen und Schlafen. 
Stonehenge in Gambia - die mystischen Steinkreise von Wassu. 
Immer wieder führt der Weg durch Dörfer mit freundlich grüssenden Menschen. Wir kommen gut voran, denn die Piste ist in hervorragendem Zustand. Nicht mehr lange, und auch hier wird es Asphalt geben. 
Wir möchten den Gambia-Fluss wieder überqueren, um via Basse Santa Su nach Senegal auszureisen. Keine Chance. Die Fähre ist ausser Betrieb. "Vielleicht kommt der Mechaniker morgen. Oder übermorgen..." Tja, vielleicht. Das ist Afrika.
Die kaputte Fähre erweist  sich als Glücksfall. Im Gespräch mit den Einheimischen stellt sich heraus, dass ein Überqueren des Gambia River gar nicht nötig ist. Auf einer Bilderbuchpiste durch den Busch (die weder in den Karten eingezeichnet ...
...noch in den Reiseführern erwähnt ist) gelangen wir über eine "grüne Grenze" nach Senegal. Im kleinen Ort Mudidjao direkt auf der Grenzlinie gibt es sogar einen gut sortierten Gemischtwarenladen (unter mauretanischer Führung)!
Die Nacht an diesem idyllischen Plätzchen einige km nach der Grenze wird mir in den nächsten drei Tagen in schmerzhafter Erinnerung bleiben. Ich bin offensichtlich zu nahe am Moskitonetz gelegen. Meine Oberschenkel sind von über 60 (!!) Moskitostichen verziert! 
An diesem Abend im senegalesischen Busch. Es könnte ja so schön sein....wenn meine Beine nicht so weh täten!
Einen Tag später sind wir bereits in Mali. Im Bild die wunderschönen Wasserfälle von Gouina. Die Piste dorthin stellt erhebliche Anforderungen an Material und Fahrer. Aber vielleicht ist es gerade deswegen eine der schönsten Etappen der Reise.
Auch auf der weiteren Fahrt erinnern einige Passagen eher an einen Steinbruch als an eine Piste. An dieser Stelle gebührt unserem Toyota ein Lob. Trotz kaktus-geschädigter Reifen lässt er uns nie im Stich...
...und dass wir hier in Mahina unseren Ersatzreifen flicken lassen, liegt einfach nur daran, dass wir hier endlich auf einen gut ausgerüsteten "Colleur de Pneus" (Reifenkleber) stossen.
Wir überqueren den Bafing auf der Eisenbahnbrücke und fahren auf staubigen, aber guten Pisten bis nach Manantali, wo wir am Abend des 24. Dezember eintreffen. Heiligabend. Wir erkundigen uns, ob es hier eine christliche...
...Kirche gibt. Und sind erstaunt. Es gibt sogar zwei, eine katholische und eine evangelische. Wir feiern eine unvergessliche Christmette. Im Foto die gastfreundliche (islamische) Familie, die uns spontan zum Übernachten einlädt.
Auf gleichbleibend guter und gleichbleibend staubiger Piste geht es weiter nach Bamako. Auf den Feldern und in den Dörfern ist die Baumwollernte in vollem Gang. 
Bamako. Stadt am Niger. Für uns gleichzeitig die Stadt, in der wir uns von Afrika verabschieden, um nach Hause zu fliegen. Das Gefühl, das uns beschleicht, als wir das Auto abgestellt haben und auf das Taxi warten, das uns zum Flughafen bringen wird, kann man...
...wohl am ehesten als "Heimatlosigkeit" beschreiben. Zwei Monate lang waren Auto und Dachzelt unser Zuhause. Gut zu wissen, dass wir schon im März zurückkommen werden. Wir freuen uns auf den nächsten Teil unserer Reise! 

zurück zu Teil 2 - Mauretanien & Senegal

zurück zu Teil 1 - Marokko

zur Seite Reiseberichte

 

Homepage made by
Schloss Ludwig