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Mali
Aktuelle Informationen zum
Reisen in Mali sind in Bearbeitung.
Wer sich über die aktuelle
Sicherheitslage in Mali erkundigen will, dem möchten wir neben den
Reisehinweisen der Auswärtigen Ämter vor allem die
Mali-Länderinfo auf www.travis.cc
empfehlen. Travis ist eine
gebührenpflichtige Website, die unseres Erachtens gut recherchierte
Infos für Reisende liefert.
Über die Geschichte und die Bewohner des Landes
- von Kurt Müller und Astrid Auwärter -
Viele Schlagzeilen über Mali hat
es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Man kann sagen "zum
Glück für die Malier", denn wenn das Land in der Vergangenheit
in den Schlagzeilen war, dann aufgrund von Dürrekatastrophen oder
Bürgerkrieg.
Bürgerkrieg und Touareg
Wie die meisten Saharaländer ist
auch Mali ein Vielvölkerstaat. Nach dem Ende der Kolonialisierung
wurde es den einzelnen Stämmen, wie z.B. den Touareg nicht erlaubt,
eigene Staaten zu bilden, sondern sie wurden in die bestehenden
Saharaländer, d.h. sowohl in die Sahel-Länder als auch in nordafrikanische
Staaten, integriert. Es ist nicht erstaunlich, dass dies zu Spannungen
führte, welche in Mali in den Jahren 1990/91 eskalierten; es kam
zum Bürgerkrieg zwischen den Touareg und der malinesischen Staatsregierung.
Im Gegensatz zu vielen anderen Bürgerkriegsregionen
gelang es allerdings in Mali, die Konflikte nach einer relativ kurzen
Zeit beizulegen und zu einer "besonderen Art der Stabilität"
zurückzufinden. Die Besonderheit liegt darin, dass die Touareg,
obwohl sie nach wir vor ihren eigenen Staat nicht haben, heute eine
Art von Selbstverwaltung ausüben. Der malische Staat hat nicht die
erforderlichen Mittel, um die immens grossen Gebiete im Norden des
Landes zu kontrollieren. Man könnte den Status quo so beschreiben:
Die Touareg verhalten sich ruhig, weil man sie in Ruhe lässt.
Im Gegensatz zu anderen Saharastaaten
wie beispielsweise Algerien und Libyen hat die malische Regierung
bislang keine grossen Anstrengungen unternommen, um die nomadisierenden
Touareg sesshaft zu machen. In den vorgenannten Ländern findet
eine Zwangsumsiedlung der Nomaden in Dörfer und Städte statt, um
sie besser kontrollieren zu können. Dass in Mali das Geld für ähnliche
Massnahmen fehlt, ist sicher einer der Gründe dafür, dass der Bürgerkrieg
nicht neu angefacht wurde.
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| Tessalit - grösste Touaregsiedlung
in Nordmali |
Nomadenzelt in einem Wüstengebiet
nördlich von Timbouctou |
Dürre und Auswanderung
Vor allem nach der letzten grossen Dürrekatastrophe
in den Jahren 1984/85 sind viele Malier nach Nordafrika, z.B. Libyen,
ausgewandert, um dort ihr Glück als Angestellte in der Landwirtschaft
zu versuchen. Als Spezialisten für das Bewässern von Wüstengärten
ist ihr Knowhow gefragt, dieses wurde und wird aber nicht entsprechend
belohnt, sondern eher ausgenutzt. Gehandicapt sind die Emigranten
zusätzlich dadurch, dass sie zum Teil illegal ins Ausland abwandern,
was natürlich ihre Möglichkeiten, sich gegen diese Ausnutzung zu
wehren, gänzlich zunichte macht.
Mit Hilfe von Vertretern der UN-Flüchtlingsorganisation
versucht man heute, die Auswanderer nach Mali zurückzuführen.
Schmuggel und Terrorismus
Heute leben viele der in Nordmali siedelnden Touareg-Nomaden
vom Schmuggel. Dieser gilt hier allgemein nicht als Verbrechen,
sondern als reguläres Geschäft, mit dem viele Familien ihren Lebensunterhalt
bestreiten. Ein Teil der Schmuggler arbeitet nicht selbständig,
sondern befindet sich sozusagen in einem Anstellungsverhältnis.
Das Schmuggeln ist für diese Menschen ein Job, bei dem sie ihre
Kenntnis der Wüste und der Pisten lohnend einsetzen können.
Zwischen Mali und Südalgerien bestehen seit alter Tradition
viel befahrene Schmugglerrouten. Die wichtigste führt von Tamanrasset
in Algerien nach Kidal in Nordmali. Aussage eines Schmugglers: "Für
uns gibt es zwischen Algerien und Mali keine Grenze".
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| Schmugglerpiste
im Süden Algeriens: Ein uralter Steinmann weist den Weg |
Auf einer Piste
parallel zum Niger: Taxi oder Schmuggler? |
Die traditionell wichtigste Schmuggelware, die von Norden
nach Süden transportiert wird, ist Treibstoff. Das Geschäft von
Süden nach Norden basierte bisher hauptsächlich auf dem Schmuggel
von Zigaretten. Diese kommen zumeist aus den USA und gelangen über
westafrikanische Häfen nach Mali und in den Niger. Von hier führt
der weitere Weg nach Algerien und Libyen. Da Rauchen in den arabischen
Ländern eine beliebte Beschäftigung ist, ist der Absatz gesichert
und die Geschäfte florieren. Für die afrikanischen Länder bedeutet
der Zigaretten- schmuggel einen bedeutenden Verlust an Zöllen. Für
die Länder, die über Erdöl verfügen, ist dies weniger dramatisch,
aber die bedeutend ärmeren Sahelstaaten trifft dies schmerzhaft.
Mali zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Kleine Randbemerkung:
Seitens der "Weltpolizei" USA, die durch den Export der
Zigaretten am meisten von diesem Geschäft profitiert, wurden bisher
keine nennenswerten Bemühungen unternommen, die Situation zu ändern.
Im Laufe der Zeit hat sich die Palette der geschmuggelten
"Güter" immer mehr erweitert; man kann davon ausgehen,
dass diese heute von Waffen bis hin zum Menschenhandel alles umfasst.
Das "gesetzlose" Niemandsland von Nordmali
wird von Stammes- fürsten und Räuberbanden kontrolliert. Es ist
bekannt, dass in diesem Teil des Landes auch Terroristen ihre Lager
haben. Der Schmuggel dient teilweise auch zur Finanzierung dieser
terroristischen Zellen.
Mit der geplanten Einrichtung von US-Militärbasen in
Nordmali, über die derzeit verhandelt wird, könnte sich die beschriebene
Situation in absehbarer Zeit drastisch verändern.
Touristisch interessanter Süden
In Südmali leben vorwiegend schwarzafrikanische Stämme.
In diesen Stämmen funktionieren auch heute noch die uralten Hierarchie-
Strukturen. So sind zum Beispiel die Stammesführer (Chiefs) hochgeachtete
Leute mit starker Autorität.
Viele Gebiete in Südmali sind touristisch sehr interessant.
Bei Trekking-Freunden ist das Dogongebiet sehr beliebt. Mit einheimischen
Führern kann man Touren durch die Dogondörfer unternehmen. In diesen
Dörfern trifft man wie auch in fast allen anderen Siedlungen auf
die typische traditionelle Lehmbauweise der Häuser. Auch in Djenné,
der Hauptstadt des Stammes der Songhai, trifft man fast ausnahmslos
auf Häuser in dieser Bauweise.
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| Barbecue
in einem der Dogondörfer |
Mann
in Djenné |
Eine unbeschreibliche Vielfalt von Eindrücken erwartet
den Reisenden in den Ortschaften entlang des Niger, der Lebensader
von Mali. Beim Betrachten der Boote versteht man, warum die Malier
als die besten Handwerker in Westafrika gelten. Vor allem das Schmiedehandwerk
hat eine lange und gepflegte Tradition. Sogar die Nägel werden von
den Bootsbauern selbst geschmiedet, und dies mit den einfachsten
Mitteln, die man sich nur vorstellen kann.
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| Im Hafen von
Mopti |
Beim Beladen
einer Pinasse |
Eine besondere Faszination auf uns Europäer übt der
Mystizismus aus, der in den malischen Dörfern allgegenwärtig ist.
Die alten Götter haben noch ihren festen Platz im Leben der Menschen,
auch wenn sich offiziell der Islam durchgesetzt hat. Auch bei der
kleinen christlichen Minderheit ist dies so. Die immer noch sehr
wichtige Rolle der Medizinmänner und Wahrsager in den Stammesgemeinschaften
führt dies anschaulich vor Augen.
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| Moschee bei Djenné |
Beschwörungsritual zum Schutz
unseres Landcruisers |
Verhandlungsgeschick und Toleranz
Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre hat die malische
Regierung schon einmal ein beachtliches Geschick in der Rolle
des Krisenvermittlers bewiesen. Als Nachbarstaat übernahm Mali die
Vermittlerrolle in einem gewaltsamen Konflikt zwischen mauretanischen
und senegalesischen Stämmen.
Streitpunkt waren die Wasserrechte für den Senegalfluss.
Unter Berufung auf einen 200 Jahre alten Vertrag beanspruchten senegalesische
Bauern beide Ufer des Senegalflusses für sich. Ihr Ziel war es,
mit dem Flusswasser Plantagen auf beiden Seiten des Senegal zu bewässern.
Für die mauretanischen Nomaden und ihre Tierherden jedoch ist das
Wasser aus dem Senegalfluss lebensnotwendig.
Der malischen Regierung gelang es, einen bis heute andauernden
Waffenstillstand auszuhandeln. Wäre dies nicht gelungen, wäre unweigerlich
ein Bürgerkrieg die Folge gewesen.
In den Medien wurde nie ausführlich über diesen Konflikt
berichtet. Auch ist zu sagen, dass die Zahl der Toten, die der Streit
forderte, um einiges höher war als offiziell angebeben.
Im Gegensatz zu der Mehrheit der afrikanischen Staaten
wird Mali nicht von einer Militärdiktatur regiert, sondern es gibt
eine demokratisch gewählte Regierung. Diese pflegt ebenso gute Kontakte
zu den westlichen Staaten wie zur islamischen Welt. Das Land verfügt
über ein recht gutes inneres Gleichgewicht. Für afrikanische Verhältnisse
ist die Mentalität in Mali recht tolerant; genauso wie man
als bekennender Christ in Mali leben oder reisen kann, kann man
einen Bin-Laden- Aufkleber an seinem Auto befestigen. Diese
Toleranz war allerdings in der Vergangenheit nicht immer gegeben;
so weckt beispielweise noch heute der Ortsname Kidal die Erinnerung
an das Gefängnis für politische Gegner.


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