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Papa, wann sind wir endlich in den Dünen?

Teil 3 von 5 - Adrar-Bergland & Monolith Ben Amira

Bisher führte uns die Route durch geradezu menschenleere Gegenden - von einzelnen Hirten abgesehen. Im Vergleich dazu ist die Region, die wir jetzt erreicht haben, fast schon dicht besiedelt. Auch die verfallene Moschee und die zahlreichen Gräber zeugen dafür, dass in der Nähe Siedlungen sind oder waren.
   
Bei Steingräbern in der Sahara eher selten anzutreffen: Grabinschriften
   
Wir hatten die nahegelegene Siedlung nicht bemerkt, aber ihre Bewohner freilich uns. In Windeseile kommen sie herbeigeströmt, um neugierig die Fremden zu beobachten. Und natürlich um zu sehen, ob diese ein nützliches "Cadeau" dabeihaben.
   
Im breiten, weichsandigen Oued el Hnouk (ein Oued ist ein zumeist trockenes Flussbett) kommen wir jetzt sehr gut voran. Mehrere kleine Hüttensiedlungen säumen den Weg.
Oued  
   

Wir folgen dem Verlauf des Oueds und staunen über die überwältigende Landschaft, die uns erwartet:

Neben den hohen roten Felswänden der "Gorge el Hnouk" wirken unsere Fahrzeuge wie Playmobil-Autos.

   
Ein Traum für jeden Saharafahrer: Auf sanften sandigen Pisten geht es weiter in Richtung Norden...
   
... bevor der sanfte Sand recht abrupt endet, da uns die Piste aus dem Oued hinausführt, hinauf auf ein steiniges Plateau.
   
Die Aussicht, die uns oben erwartet, ist gigantisch:
   
   
Zu unseren Füssen breitet sich ein Dünenmeer aus, flankiert von dunklen Bergen. Noch wissen wir nicht...
   
...dass wir in einigen Sekunden in eben dieses Dünenmeer eintauchen werden. Ohne Vorwarnung hatte uns die aus einer einzigen tiefen Fahrspur bestehende "Piste" in die Dünen geführt. Jetzt gibt's nur noch eins: Auf Fahrzeug und eigenes Können vertrauen und mit Vollgas vorwärts! Ein Bergemanöver würde hier Stunden dauern.
   

Das Tückische an dieser einzigartigen Dünenpassage, von der wir nicht wissen, wie lange sie dauern wird: Das Gelände steigt merklich an.

Das Ende des Dünenfeldes kommt genauso überraschend wie der Einstieg. Nach guten drei Kilometern tiefsten Sandes erwartet uns ein sehr steiler und schwieriger Anstieg am steinigen Berghang.

   
Erstaunlich: Auf keiner der verfügbaren Detailkarten der Region ist dieses beeindruckende Dünenfeld zu finden. Lediglich auf dem Satellitenbild ist zu erkennen, dass zwischen den dunklen Bergen hier einiges an Sand zu durchqueren ist.
   
Noch viel erstaunlicher: Auf dem grobsteinigen Plateau angekommen, erwartet uns eine regelrechte Strasse!
   

Und diese ist sogar beschildert! Wissen wir also nun, dass wir in 22 km unser nächstes Ziel, die Oase Oujeft, erreichen werden.

Diese Route ist in der Tat für Überraschungen gut.

   
Auch vor dieser fast neuen, breiten Trasse machen die Wanderdünen allerdings nicht Halt - immer wieder verschwindet die Piste unter reichlich Sand.
   
Fortschrittlich präsentieren sich die Oasengärten von Oujeft: Es wird mit solarbetriebenen Pumpen bewässert.
   
   

In Oujeft wird uns klar, weshalb der Wegweiser nur die Entfernung bis hierher angibt. In der Siedlung, die im tiefen Sand zu versinken scheint, endet die Piste. Wer weiter in Richtung Norden will, muss seinen eigenen Weg finden durch wiederum leicht ansteigenden Tiefsand.

Auf den folgenden 30 km, die über das steinige Plateau von El Kfeïfir führen, werden wir ordentlich durchgeschüttelt. Die Strapaze ist jedoch mehr als lohnenswert, führt doch die Piste mitten hinein in die atemberaubende Landschaft des Adrar-Berglands.

   
   
Riesige rötlichbraune Tafelberge bestimmen das Bild.
   
Für uns ist klar : Die Berglandschaften Mauretaniens können ohne weiteres mit den berühmten Bergregionen anderer Saharaländer mithalten.
   

Kleiner Abstecher in die schöne Oase Terjit.

Hier hat man sich bereits voll auf Tourismus eingestellt. Neben Souvenirs aus mauretanischer Produktion wird auch sehr viel Künstlerisches aus den westafrikanischen Nachbarländern angeboten.

   
In Atar angekommen, ist Relaxen angesagt. Der Camping Bab Sahara von Justus und Kora bieten hierfür ein optimales Ambiente. Und auch wenn das Duschwasser leicht salzig schmeckt und nur lauwarm aus der Leitung tröpfelt: Es tut gut, nach Tagen einmal wieder zu duschen!
   

Wir sind halt Schweizer (und Fast-Schweizer), drum führt kein Weg dran vorbei: am obligatorischen Käsefondue, das in keinem Schweizer Reisemobil fehlt.

Dass Markus sogar das zugehörige Fondue-Caquelon mit Rechaud und Fondue-gabeln aus dem Taro zaubert, haut allerdings sogar mich vom Hocker!

   
Nochmals durch die Tafelberge des Adrar-Berglandes hindurch gehts am nächsten Tag weiter in Richtung Norden. Die Heimreise hat begonnen.
   
Nach den spektakulären Felsformationen, die hinter uns liegen, wirkt die weite Ebene mit den aus dem Dunst ragenden Hügeln geradezu mystisch.
   
   
Genauso wie diese durch Erosion rund geschliffenen Felsen.
   
Unser Timing ist perfekt - just in dem Moment, da wir uns den Schienen der Erzbahn nähern, ertönt ein durchdringendes 2maliges Tuuuuut. Es ist immer wieder beeindruckend, die schier endlos lange Kette von Waggons vorüberdonnern zu sehen. Und zu hören. Mitten in der Sahara.
   
   

Es soll tatsächlich Leute geben, die es vorziehen, auf den Schienen zu fahren statt die parallel verlaufende Piste zu gebrauchen.

 

   
"Camping Mille Etoiles" (tausend Sterne) haben Regina und Henne diese Szene getauft.
   

Landschaftliches Highlight der Strecke Choum - Nouadhibou:

Der Monolith Ben Amira soll nach Ayers Rock weltweit der Zweitgrösste sein.

   
Seine Gattin Aïcha, die Ben Amira der Sage nach betrogen haben soll, weshalb sie nun in sieben Kilometern Entfernung ihr einsames Dasein fristet.
   
Wir statten Ben Amira einen Besuch ab. Ameisenhaft klein fühlt man sich in Anbetracht der gewaltigen Ausmasse des Monolithen.
   
Nach einem letzten gemeinsamen Nachtlager heisst es am kommenden Morgen Abschied nehmen von Eru, Henne und Markus. Es hat fast schon Symbolcharakter: Ihre Fahrzeuge sind grade am Horizont entschwunden, da beginnt der Himmel zu weinen - und das mitten in der Sahara. Bei zwar nur leichtem, aber anhaltendem Nieselregen packen wir unsere Ausrüstung zusammen.

 
Zu Teil 4 - Westsahara & Anti-Atlas


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