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Mauretanien
Das Tor zu
Westafrika
Stand: Oktober 2005

Politische Situation / Reisesicherheit
Strassen
Visum
/ Grenzabfertigung
Nationalpark Banc d'Arguin

Politische Situation /
Reisesicherheit
Die Atlantik-Route
stellt im Augenblick die wichtigste Landverbindung nach Westafrika
dar. In erster Linie ist dies auf die Entführung europäischer
Touristen in Algerien
zwischen Februar und August 2003 zurückzuführen, in deren Folge
die Alternativ-Route über Tunesien und Algerien für Reisende
(die nicht hohe Kosten und Unannehmlichkeiten durch Führerzwang in
Kauf nehmen wollen) weggefallen ist.
In jüngster Zeit fand eine
Annäherung zwischen Mauretanien und den USA statt. Durch den neuen
Kurs Mauretaniens haben sich auch die Spannungen mit dem Nachbarland
Marokko etwas abgeschwächt, was der Reisende in positiver Weise bei
der Überquerung der Grenze erleben kann (keine Konvoipflicht mehr,
relativ zügige Abwicklung der Grenzformalitäten).
Innenpolitisch hat
die Annäherung
Mauretaniens an die USA jedoch leider zu gespaltenen Lagern
geführt. Nach
wiederholten Putschversuchen in den vergangenen Jahren wurde am 3.
August 2005 Mauretaniens Präsident Maouia Ould Taya von einem "Militärrat
für Gerechtigkeit und Demokratie" gestürzt. Es
handelte sich um einen unblutigen Putsch, unterstützt
durch die Führung der Präsidentengarde. Angeführt
wird die Militärjunta, die das Land für eine Übergangszeit
von zwei Jahren regieren will, von Ely Ould Mohammed Vall, seit
1987 Chef der Sicherheitskräfte.
Seitens der Auswärtigen Ämter der Schweiz und der
BRD gibt es keine Reisewarnungen für Mauretanien. Wortlaut des
länderspezifischen Hinweises des deutschen AA seit dem 15.
August: "Das Leben hat sich
inzwischen normalisiert, allerdings ist die Behördentätigkeit
noch von Personalveränderungen und Verunsicherung gekennzeichnet.
Das Auswärtige Amt rät weiterhin, sich vor und während
der Reise über die aktuelle Lage zu informieren." Die
Empfehlungen des Schweizer EDA sind nahezu gleichlautend, ergänzt
durch den Hinweis: "Gehen Sie nachts wenn möglich nicht
aus und befolgen Sie die Anweisungen der Sicherheitskräfte."
Auch wir sind der Meinung, dass das Sicherheitsrisiko
für Mauretanien-Reisende sich durch den Machtwechsel nicht
erhöht hat. In der Vergangenheit hat sich eher
gezeigt, dass das Reisen in nicht oder schlecht funktionierenden
Demokratien oft problematischer und unsicherer ist als jenes in
militärisch geführten Ländern.
Wichtiger Faktor in Mauretanien ist die Tatsache,
dass eine überwiegende Mehrheit des Volkes den Putsch gutheisst.
Die Bürger konnten sich nicht mit dem neuen prowestllichen Kurs
des Präsidenten
identifizieren. Ould Taya, der früher den irakischen Herrscher
Saddam Hussein unterstützt hatte, unternahm vor einem Jahrzehnt
einen radikalen Kurswechsel und wurde zu einem der engsten Verbündeten
der USA in der arabischen Welt. Da eine breite Öffentlichkeit
hinter den Putschisten steht, sind Unruhen nicht zu erwarten.
Generell gilt: Wer
bei aufkommenden Unruhen im Land unterwegs ist, sollte die Hauptstadt
Nouakchott nicht anfahren und Mauretanien möglichst rasch
verlassen.
Unsere Einschätzung hinsichtlich der Machbarkeit
von Mauretanien-Reisen bezieht sich selbstverständlich nur
auf die Regionen des Landes, welche auch VOR dem Putsch nicht als
gefährdet galten. Die Grenzgebiete zu Algerien und Mali sollten
nach wie vor unbedingt gemieden werden. In den Schweizer Reisehinweisen
für
Mauretanien heisst es sogar ganz konkret: "In
der Region östlich der Linie von Zouerate - Ouadane - Tichit
- Nema und bis zu den Grenzen zu Algerien und Mali besteht die
Gefahr von Entführungen und Banditenüberfällen".
An diese Empfehlungen der Auswärtigen Ämter,
den Norden und Osten des Landes zu meiden, sollte man sich unbedingt
halten. Diese Regionen entziehen sich weitestgehend der staatlichen
Kontrolle - ideale Voraussetzungen für Schmuggler
und Banditen. In den letzten Jahren konnte die Tendenz beobachtet
werden, dass der Norden Mauretaniens - ebenso wie der Norden
Malis und die Grenzgebiete zu Algerien - verstärkt zum
Zufluchtsort für kriminelle Banden und Terroristen wird.
Nach diversen Überfällen
in der Region zwischen Bir Mogrein und Zouérate in den
Jahren 2003 und 2004 wurde im Juni 2005 im Nordosten Mauretaniens
eine mauretanische Militärbasis von Terroristen attackiert.
Zahlreiche Soldaten wurden getötet oder verletzt.
Die Bewaffneten in
der Region zwischen Bir Mogrein und Zouérate sollen in Verbindung
zur Unabhängigkeitsbewegung
Polisario stehen (die bis zu diesem Vorfall allgemein als friedlich
eingestuft worden war). Vom Befahren der Route Choum - Bir Mogrein
ist infolgedessen aktuell unbedingt abzuraten.
Auch die USA ist inzwischen
auf die Problematik aufmerksam geworden, dass der Norden Mauretaniens
sich als Rückzugsgebiet für Kriminelle und/oder Terroristen anbietet. Pressemeldungen zufolge
sollen von der Regierung Bush 100 Millionen US-Dollar in die
Bekämpfung des Terrorismus in den Ländern Mauretanien, Mali,
Tschad und Niger investiert werden.
Der von Marokko errichtete
(verminte) Grenzwall verläuft nicht genau auf der Grenzlinie,
sondern ca. 100 km westlich davon auf marokkanischem Gebiet (siehe
UNO-Karte auf der Länderinfo-Seite Marokko).
Somit ist zwischen Wall und Grenzlinie ein nicht kontrollierter Raum
entstanden, der in erster Linie von den Polisario-Anhängern genutzt
wird.
 
Strassen
Dank ausländischer Finanzhilfe
hat der Strassenbau in Mauretanien neue Impulse erhalten.
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Die "Route de l'Espoir" (Strasse
der Hoffnung) von Nouakchott nach Nema befindet sich nach
umfassenden Reparaturarbeiten heute wieder in einem guten
Zustand.
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Zwischen Ayoûn el Atroûs
und Nioro
(Mali) ist eine neue Teerstrasse gebaut worden.
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Die neue Strasse von Guerguarat
(Marokko) nach Nouadhibou und nach Nouakchott ist - als erste
und einzige Landverbindung von Gibraltar nach Westafrika - von
internationalem Interesse. Gemäss Berichten von Mauretanien-Reisenden
soll die Strasse im Oktober 2005 komplett fertiggestellt worden
sein. Das einzige verbleibende Pistenstück sind die 4 km "Niemandsland"
zwischen dem marokkanischen und dem mauretanischen Grenzposten
(Koordinate WGS84 N 21°20.039' W 16°56.844'). Die Orientierung
auf dem Pistenabschnitt zwischen den Posten ist unproblematisch.
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So sah die Strasse im Dezember
2004 aus: Eben noch auf feinstem Asphalt, ab hier auf staubiger
Piste |
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Die rote Track-Linie zeigt den
Verlauf der neuen Teerstrasse.
Die Wegpunkt- namen "Teer" und "Piste" auf dem
Kartenausschnitt bitte ignorieren (Fertigungsstand,
der im Dezember 04 erreicht war).
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Visum /
Grenzabfertigung
Es ist möglich, das Einreisevisum an
der Grenze zu erhalten. Dennoch empfehlen wir, das Visum bereits im
Heimatland zu beantragen. Zum einen erhält man bei den Konsulaten
in der Regel Visa für eine längere Aufenthaltsdauer als an der
Grenze (plus die Möglichkeit von doppelter oder mehrfacher
Einreise, was wichtig für Reisende sein kann, die weitere Länder
besuchen und wieder über Mauretanien zurückkehren möchten); zum
anderen herrscht bei den mauretanischen Grenzposten eine gewisse
Willkür. So trafen wir im Dezember 04 beispielsweise bei besagtem
Posten ein junges belgisches Paar, das auf die Einreise verzichtete,
da die Beamten pro Person 100 Euro für das Visum verlangten.
Ansonsten geht die
Einreise in der Regel zügig vonstatten. Wer bei Zoll und Polizei
die inzwischen "offizielle" (wenn auch illegale)
Einreisegebühr von 5 Euro pro Person bezahlt, kann mit einer
raschen Weiterfahrt rechnen. Beim Zoll ist eine Devisenerklärung
auszufüllen. Fahrzeugbesitzer müssen ausserdem eine
"Ehrenerklärung" unterzeichnen (gebührenfrei), durch welche sie sich
verpflichten, das Fahrzeug wieder auszuführen. Die Kopie sollten
Sie gut aufbewahren; bei der Ausreise wird sie von den Beamten
zurückverlangt.
Im allgemeinen ist das
Reisen in Mauretanien bedeutend einfacher geworden. In den
vergangenen Jahren musste man bei jedem Kontrollposten mit illegalen
Gebühren oder Strafen für an den Haaren herbeigezogene
"Vergehen" rechnen. Dies hat sich inzwischen deutlich
verbessert, da die Regierung heute massiv gegen die verbreitete
Korruption in ihren Beamtenstrukturen vorgeht.
Wer von Mauretanien aus in eines
der Nachbarländer Mali oder Senegal weiterreisen möchte, kann
die hierfür benötigten Visa in den entsprechenden Botschaften
in Nouakchott erhalten (EU-Bürger benötigen für Senegal kein
Visum). Für das Mali-Visum haben wir im Dezember 2003 lediglich
2000 UM bezahlt und erhielten es innerhalb einer Stunde. Das
Senegal-Visum kostete ebenfalls 2000 UM. Jedoch beträgt die Bearbeitungszeit
1 1/2 bis 2 Tage. Am Freitag und Samstag sind die Konsulate geschlossen.
 
Nationalpark Banc d'Arguin
Es empfiehlt sich, die
Gebühr für den Nationalpark an einer der Kontrollstellen im Park
zu entrichten (sofern diese besetzt sind, was im Dezember 04 nicht
der Fall war).
Wildcampen ist im Park verboten.
In der Broschüre der Parkverwaltung sind vier Orte ausgewiesen, an
denen Touristen in speziellen Campements übernachten können. Es
sind dies einfache Nomadenzelte. Die sanitären Anlagen würden wir
als "sehr bescheiden" bezeichnen. Auch wenn man im eigenen
Fahrzeug oder Zelt übernachtet, ist die Miete eines Zeltes
obligatorisch. Die Kosten für ein 2-Mann-Zelt belaufen sich auf
3.000 UM (ca. 10 Euro), für ein 4-Mann-Zelt auf 6.000 UM. Nur drei
der vier ausgewiesenen Campements sind derzeit in Betrieb:
Das Campement in der Nachbarschaft
der Hauptverwaltung des Parks in Iwik ist momentan für Besucher
nicht geöffnet. Laut Auskunft der Parkverwaltung ist dies auf
Probleme mit den Einheimischen zurückzuführen.
Wir würden Reisenden, die im
Nationalpark Banc d'Arguin übernachten wollen, entweder das
Campement in Arkeiss oder in Tessot empfehlen. Wer gerne im Meer
baden möchte, dem empfiehlt sich Arkeiss (flacher, sauberer
Strand). Wer Fahren und Navigieren durch Sand liebt, hat nach einer
Übernachtung im Campement von Tessot Gelegenheit zu einer
ausgedehnten, schönen
Dünenpassage.
Die Versorgungssituation im
Nationalpark (Wasser, Nahrung, Treibstoff) würden wir nicht ganz
so schlecht beschreiben wie die Sicherheitshinweise des deutschen
AA.


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